5 Wege, wie Frauen die Lust auf Führungspositionen vergeht

Wieso gibt es so wenige Frauen in Chefetagen?

Eine ziemlich ausgelutschte Frage, zu der es Tausende Artikel und Hunderte Lösungsansätze gibt. Ich wollte nicht unbedingt meinen Senf auch noch dazu geben, bis mir vor wenigen Tagen etwas klar geworden ist, das ich vorher nicht so auf dem Schirm hatte.

 

Auch in sehr frauenfreundlichen Unternehmenskulturen fehlt es an genügend weiblichen Vorbildern.

Das Lernen am Modell ist im Unternehmens-Kontext die dominierende Lernstrategie.

Der männliche Chef ist nicht in der Lage, als Rollenmodell zu dienen, weil die Identifikation fehlt.

Die talentierten und ambitionierten Frauen können sich herzlich wenig von ihm abschauen und schon gar nicht, wie eine Frau mit ihren männlichen Kollegen umgeht, um sich Respekt zu verschaffen, und zwar ohne insgeheim als Emanze, Zicke oder Stute betitelt zu werden.

Der oftmals einzige Ausweg ist, die an Männern beobachteten Verhaltensweisen zu übernehmen, was nicht stimmig erscheint und vor allem bei den anderen Frauen im Unternehmen auf Widerstand stößt.

Den Männern wiederum fehlt Erfahrung im Umgang mit starken Frauen.

Und so verbleiben die Herren in ihrer gewohnten und bekannten Sicherheit (im Gegensatz zum unbekannten und angstauslösenden Neuen), und fahren unbewusst das Mann-zeigt-Frau-wie-der-Hase-läuft-Modell.

 

Meine Kernfrage in meinen Veranstaltungen zu Leadership oder Followership ist:

Wie können alle, Männer und Frauen, so, wie sie gestrickt sind, gut miteinander auskommen und zusammen arbeiten?

 

Die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist ein andauernder Prozess, der über Beziehungsaufbau und -pflege vorangetrieben werden muss und der niemals abgeschlossen ist.

Dieser Diskurs erfordert mehr Mut, als die meisten aufbringen mögen. Wer will schon gern hören, dass er trotz aller Bestrebungen unabsichtlich patriarchisch handelt?

Deshalb meine Empfehlung an alle Herren, die wirklich mehr Frauen in Führungspositionen sehen wollen:

SCHICKT DIE TALENTIERTEN DAMEN NICHT ZUM COACHING!

Holt euch einen externen Blick und erforscht die Ursachen für den geringen Frauenanteil.

Häufig höre ich Statements wie

„Die Frauen wollen doch gar nicht befördert werden. Die sind zufrieden mit einer mittleren Position.“

„Die Frauen sind einfach zu zaghaft und nicht selbstbewusst genug.“

Aber ich finde in tiefergehenden Gesprächen immer wieder heraus: die Frauen sind nicht das Problem.

Meine Herren, hört auf zu erzählen, wie sehr ihr Frauen schätzt und achtet und fangt an, eine förderliche Umgebung zu erzeugen, in der sich Männer und Frauen austauschen können, was sie voneinander erwarten, brauchen und sich wünschen, um produktiv und auf Augenhöhe miteinander arbeiten zu können.

Bei allem guten Willen – ein Unternehmen dahingehend zu entwickeln, dass Frauen in den allerhöchsten Führungspositionen zur Normalität gehören, ist ein harter Job.

An folgenden Symptomen erkennst du, wie dein Unternehmen ungewollt Frauen von Führungspositionen fern hält

Symptom #1

In deinem Unternehmen ist Feedback auf allen Hierarchieebenen und Reflexion des eigenen Handelns kein fester Bestandteil.

Symptom #2

Du legst keinen Wert auf gute, tragfähige Beziehungen innerhalb deines Teams.

Symptom #3

Dein Team ist schlecht im selbstwertschützenden Geben und Annehmen von Kritik.

Symptom #4

Harmoniesucht oder Vermeidungstendenzen verhindern, dass Konflikte thematisiert werden.

Symptom #5

Die Reflexion des Mann-Seins ist unter den männlichen Führungskräften kaum ausgeprägt: welche Bedürfnisse melden sich? Welche Glaubenssätze und Werte sind mit Männlichkeit verknüpft? Wie äußern sich diese unbewusst in eurem alltäglichen Handeln? Dies ist mit Abstand der schwierigste Teil des Prozesses.

 

Wer traut sich?

Als Organisationsberaterin, Psychologin und Therapeutin unterstütze ich euch gerne dabei.

 

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