Einarbeitung von Führungskräften - eine Anleitung

Janett Dudda sorgt dafür, dass neue Führungskräfte ihr Team nicht aus Versehen „kaputtführen“...

...besonders dann, wenn aus Kolleg:innen über Nacht Vorgesetzte werden und diese spezielle Art Führung erst einmal gelernt (und nicht nur gegoogelt) werden muss.

Janett ist Diplom-Psychologin, Organisationsentwicklerin und Mediatorin und war selbst 10 Jahre lang Führungskraft. Ihre Texte verbinden psychologisches Fachwissen mit echtem Führungsalltag: klar, menschlich und weitgehend frei von Management-Buzzwords. Versprochen. Meistens.

Warum die Einarbeitung von Führungskräften Chefsache ist

Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Führungskräfte. Trotzdem wird die Einarbeitung neuer Führungspersonen oft unterschätzt.

Klar, die neue Führungskraft bringt Fachwissen mit. Aber sie kennt weder die internen Spielregeln noch die Kultur. Wer glaubt, dass sich gute Leute schon irgendwie einfinden, riskiert Frust, Fehlentscheidungen und Fluktuation.

Die gute Nachricht: Eine kluge Einarbeitung wirkt Wunder. Sie ist kein starres Onboarding-Prozedere, sondern eine Art Landkarte. Mit ihr findet sich nicht nur die neue Führungskraft schneller zurecht – sondern auch alle anderen.

1. Was Führungskräfte beim Einstieg wirklich brauchen

Zugang zu den richtigen Ressourcen

Gute Einarbeitung beginnt bei den Basics: Reports, Tools, Prozesse, Ansprechpartner. Gib deiner Führungskraft alles an die Hand, was sie braucht, um loslegen zu können. Vermeide ewiges Suchen nach Ordnern, Passwörtern oder Infos, die irgendwo liegen.

Stelle Strategie-Dokumente, Werte, Organigram zur Verfügung. Je mehr Klarheit du schaffst, desto schneller kann die neue Führungskraft wirksam werden.

Einen erfahrenen Paten oder Mentor

Gerade in der Anfangszeit hilft ein erfahrener Sparringspartner im Unternehmen. Nicht du als Chef musst alles abfangen. Aber du solltest dafür sorgen, dass jemand ansprechbar ist für Fragen wie: "Wie machen wir das hier eigentlich?" oder "Mit wem muss ich sprechen, wenn...?"

Der Pate hilft auch beim internen Navigieren: ungeschriebene Gesetze, informelle Machtverhältnisse, politische Stolperfallen. Ein Unternehmen, mit dem ich arbeite, hat gute Erfahrungen damit gemacht, den Paten wöchentlich wechseln zu lassen. So entsteht mehr Kontakt zu KollegInnen und der/die Neue erhält unterschiedliche Perspektiven.

Wöchentliche 1:1-Gespräche

Ein Klassiker, der nie aus der Mode kommt! Regelmäßige 1:1s sind der beste Ort für Austausch, Fragen, Feedback und Orientierung. Deine Führungskraft weiß: Ich werde gesehen, meine Arbeit ist wichtig, mein Vorankommen auch. Du bekommst mit: Wo hakt es? Wo brauchst du mehr Klarheit? Wo kann ich unterstützen?

Wichtig: immer im Gespräch bleiben. Auch (oder gerade) wenn alles gut läuft.

Klare Erwartungshaltung

Die meisten Führungskräfte scheitern in der Probezeit nicht an Kompetenz, sondern an unklarer Kommunikation.

Also: was genau erwartest du? Fachlich, menschlich, im Führungsstil?

Mach deine Erwartungen explizit. Auch wenn du denkst, sie seien selbstverständlich.

Dazu habe ich ein besonderes Führungswerkzeug: das Erwartungsgespräch. Es ist Teil meiner Coachings und Führungskräftetrainings.

2. Onboarding und Einarbeitung: Was ist der Unterschied?

Viele setzen Onboarding mit Einarbeitung gleich. Tatsächlich geht Onboarding weiter.

Einarbeitung klärt das WAS der Arbeit: Aufgaben, Abläufe, Tools.

Onboarding erklärt das WIE: Werte, Umgangston, Kultur.

Onboarding ist der "Metatext" der Firma. Es macht aus einem Neuling ein echtes Mitglied der Organisation.

Beispiele für wirksames Onboarding:

  • Teamevents, Lunches, informelle Treffen

  • Vorstellung in internen Formaten

  • Teilnahme an Führungskreisen, Strategiemeetings

  • Offene Gespräche zu Kultur, Politik, Reibungen

3. Was bei der Einarbeitung von Führungskräften anders ist

Führungskräfte brauchen mehr als Informationen als "normale" MitarbeiterInnen. Sie brauchen z.B. Orientierung im Umgang mit Verantwortung, Macht und Einfluss.

Du bist als Chef in der Pflicht, die Führungskultur deines Unternehmens vorzuleben und zu erläutern. Zum Beispiel:

  • Wie viel Eigenverantwortung ist erwünscht?

  • Wie führen wir hier? Direktiv oder kooperativ?

  • Welche Werte sind nicht verhandelbar?

Vermittle nicht nur Inhalte, sondern auch Haltung.

4. Feedback nicht vergessen

Feedback ist kein Luxus, sondern Pflicht. Führungskräfte brauchen klares Feedback, um sich zu justieren. Ich habe mit diesem Rhythmus gute Erfahrungen gemacht:

  • Wöchentlich: Kurz, konkret, alltagsnah

  • Nach 4 Wochen: Erstes Zwischenfazit, auch mit Blick der Kollegen

  • Nach 3 Monaten: Einschätzung: Auf Kurs oder nicht?

  • Ende der Probezeit: Klartext, beidseitig: wie geht’s weiter?

Feedback zeigt: Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Ich will, dass du hier erfolgreich bist.

5. Fazit: Einarbeitung ist ein Investment

Einarbeitung von Führungskräften ist kein Luxus, sondern ein strategisches Investment. Wer sie sauber gestaltet, spart sich später stundenlange Gespräche, Konflikte, Missverständnisse – oder eine kostspielige Neubesetzung.

Begleite deine Führungskraft vom ersten Tag an. Kläre Erwartungen. Sei ansprechbar. Schaffe Klarheit. Sei Vorbild.

Denn Führung beginnt mit guter Selbstführung.

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Über die Autorin

Janett Dudda sorgt dafür, dass neue Führungskräfte ihr Team nicht aus Versehen „kaputtführen“...

...besonders dann, wenn aus Kolleg:innen über Nacht Vorgesetzte werden und diese spezielle Art Führung erst einmal gelernt (und nicht nur gegoogelt) werden muss.

Janett ist Diplom-Psychologin, Organisationsentwicklerin und Mediatorin und war selbst 10 Jahre lang Führungskraft. Ihre Texte verbinden psychologisches Fachwissen mit echtem Führungsalltag: klar, menschlich und weitgehend frei von Management-Buzzwords. Versprochen. Meistens.

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