Freundschaft zwischen Führungskraft und Mitarbeiter: diese 7 Dinge solltest du beachten
Inhaltverzeichnis:
Darf ich mit meinen Mitarbeitenden befreundet sein?
7-Punkte-Liste
Was Führungskräfte tun können, damit die Freundschaft erhalten bleibt
Fazit
Darf ich mit meinen Mitarbeitenden befreundet sein?
Die Freundschaft zwischen Führungskraft und Mitarbeiter sorgt regelmäßig für Unsicherheit. Ist das professionell? Geht das überhaupt gut?
Meine klare Antwort: Ja –WENN du bewusst und reflektiert damit umgehst.
Ich selbst habe in meiner Zeit bei Spreadshirt sieben verschiedene Teams durchlaufen. Freundschaften mit Kolleg:innen entstanden dabei ganz natürlich.
Später war ich als Führungskraft mit ehemaligen Freunden aus dem Kollegenkreis im selben Team - und es hat funktioniert. Noch heute schreiben mir einige regelmäßig und halten mich auf dem Laufenden.
Seit Beginn meiner Selbstständigkeit arbeite ich mit Führungskräften unter dem Motto „Vom Freund zum Chef“. Das Thema trifft einen Nerv: Viele Menschen stehen vor genau dieser Herausforderung und haben Angst, etwas falsch zu machen.
Dabei ist es vor allem eins: eine Frage der Haltung.
7 Punkte, die du beachten solltest, wenn du als Führungskraft mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin befreundet bist
1. Gleiche Anforderungen für alle – auch für Freunde
Gleiches Recht für alle. Wenn das Team Überstunden macht, muss dein befreundeter Kollege mitziehen. Und wenn nach Feierabend keine Nachrichten mehr verschickt werden, gilt das auch für ihn – selbst wenn ihr privat viel schreibt.
Fairness bedeutet, keine Sonderregeln für Freunde zu machen. Nur so bleibt deine Führungsrolle glaubwürdig.
2. Professionalität im Umgang: Verhalte dich fair
Achte darauf, dass du deinen befreundeten Mitarbeiter nicht bevorzugt behandelst – auch nicht unbewusst. Das zeigt sich in kleinen Dingen:
- Du gehst mit allen ungefähr gleich oft zum Mittagessen
- 1:1-Gespräche dauern bei allen ähnlich lange
- Du holst dir Feedback auch von anderen Teammitgliedern, nicht nur vom Freund
Dein Verhalten sollte professionell, transparent und nachvollziehbar sein.
3. Beförderungen sind ein heikles Thema
Egal, wie qualifiziert dein Freund oder deine Freundin ist – eine Beförderung durch dich als Führungskraft wird im Team kritisch betrachtet werden.
Deshalb gilt:
Kommuniziere nachvollziehbare Kriterien
Dokumentiere Leistungen und Entwicklungsschritte
Ziehe im Zweifel andere Führungskräfte oder Gremien in die Entscheidung ein
Nur so kannst du den Anschein von Vetternwirtschaft vermeiden.
4. Faire Bezahlung – nicht zu viel, nicht zu wenig
Auch beim Thema Gehalt darf die Freundschaft keine Rolle spielen:
Kein Extra-Gehalt „aus Gefälligkeit“
Kein Abschlag, „weil wir ja befreundet sind“ und der Cashflow gerade besser sein könnte
Keine stillschweigenden Deals
Die Transparenz und Gerechtigkeit in Gehaltsfragen ist entscheidend für die Teamkultur.
5. Tratsch vermeiden: Keine Sonderbehandlung
Wenn du ständig mit deinem befreundeten Mitarbeiter gemeinsam Kaffee holst oder in vertraulichen Gesprächen zu zweit gesehen wirst, entsteht schnell der Eindruck von „Flurfunk“.
Vermeide Exklusivität – und sorge dafür, dass dein Verhalten keine Gerüchte befeuert.
6. Geh offen mit der Freundschaft um
Versuche nicht, eure Freundschaft zu verstecken. Das funktioniert selten – und wenn es herauskommt, wirkt es so, als hättest du etwas zu verbergen.
Hier eine kleine Formulierungshilfe:
„Ja, wir sind befreundet und verbringen auch privat Zeit miteinander. Ich bin mir bewusst, dass das besondere Herausforderungen mit sich bringt. Wenn jemand von euch das Gefühl hat, dass ich unfair handle, bitte sagt es mir direkt.“
So zeigst du: Du bist reflektiert, offen und kritikfähig.
7. Auch für die Freunde des Chefs ist es nicht leicht
Nicht nur du stehst unter Beobachtung – auch dein Freund oder deine Freundin im Team.
Sie sind oft in einer Zwischenrolle:
Die Kolleg:innen vertrauen ihnen nicht vollständig (wer weiß, was der Freund an dich weiterträgt...)
Du als Führungskraft kannst aus Gründen der Vertraulichkeit auch nicht alles mit ihnen teilen
Sie stehen zwischen dir und dem Team und könnten sich weniger zugehörig fühlen als KollegInnen, mit denen du nicht befreundet bist
Auch das solltest du als Führungskraft im Blick behalten – und immer wieder aktiv entlasten.
Was Führungskräfte tun können, damit die Freundschaft erhalten bleibt
Wenn der Wechsel ins eigene Team ansteht oder ein Freund eingestellt wird, solltest du ein ehrliches Vier-Augen-Gespräch führen und den Elefanten im Raum ansprechen.
Klärt gemeinsam:
Welche Erwartungen gelten in der neuen Konstellation?
Welche Themen bleiben bewusst außerhalb des Büros?
Wie werdet ihr mit Konflikten umgehen?
Was werdet ihr wie bisher gemeinsam unternehmen, um zu verhindern, dass eure Freundschaft keine reine "Arbeitsbeziehung" wird?
💡 Tipp: Führt solche Gespräche regelmäßig – und nicht nur einmal zu Beginn.
Fazit: Freundschaft zwischen Führungskraft und Mitarbeiter? Ja, mit Haltung!
Freundschaft im Job ist möglich – sogar in der Konstellation Führungskraft und Mitarbeiter.
Entscheidend ist, dass du als Führungskraft:
Fair und reflektiert handelst
Offen kommunizierst
Konflikte aktiv adressierst
...und dein eigenes Verhalten immer wieder hinterfragst
Dann kann eure Freundschaft sogar eine echte Bereicherung für euch beide und das Team sein!
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Über die Autorin
Janett Dudda sorgt dafür, dass neue Führungskräfte ihr Team nicht aus Versehen „kaputtführen“...
...besonders dann, wenn aus Kolleg:innen über Nacht Vorgesetzte werden und diese spezielle Art Führung erst einmal gelernt (und nicht nur gegoogelt) werden muss.
Janett ist Diplom-Psychologin, Organisationsentwicklerin und Mediatorin und war selbst 10 Jahre lang Führungskraft. Ihre Texte verbinden psychologisches Fachwissen mit echtem Führungsalltag: klar, menschlich und weitgehend frei von Management-Buzzwords. Versprochen. Meistens.
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