Kritische Themen ansprechen: welchen Fehler du vermeiden solltest

Hallo Janett,

es gibt großen Stress in meinem Team. Ein Mitarbeiter hat sich lange krank schreiben lassen, was bei mir zu großer Enttäuschung geführt hat, denn es gibt gerade unheimlich viel zu tun. Er kommt Montag wieder. Wie spreche ich seine „Krankheit“ am besten an? Ich dachte an eine Gesprächsrunde, wo jeder mal sagen kann, wie es ihm so geht und ob er unzufrieden ist. So kommt jeder zu Wort und kann Verbesserungsvorschläge machen. Was meinst du? 

Ich möchte auf 3 Dinge eingehen: deine Enttäuschung, „sich krank schreiben lassen“ als Symptom und ob ein Teammeeting die geeignete Form ist, dieses Problem anzugehen.

Deine Enttäuschung

Enttäuschung hat mit unerfüllten Erwartungen zu tun.

Du musst deine Erwartungen an deine Mitarbeiter deutlich kommunizieren, auch wenn ein Mitarbeiter ein Freund ist oder du ihn magst. Das macht dich zur Chefin: du teilst mit, was du erwartest und machst damit klar, wie der Hase läuft.

Nicht kommunizierte Erwartungen sind die Ursache für 90% aller Missverständnisse, die im beruflichen Kontext auftreten.

„Sich krank schreiben lassen“

„Sich krank schreiben lassen“ ist eine Zuschreibung, ein Urteil. Dies hat wenig mit wertschätzendem Umgang zu tun. Langes Kranksein kann auch ein Hilfeschrei von Mitarbeitern sein, die nicht im Vertrauen sind, dass sie auf anderem Weg gehört werden.

Gerade wenn der Mitarbeiter weiß, dass es hoch her geht. Entweder sitzt er nun – gesund oder krank – zu Haus und hat ein schlechtes Gewissen. Oder er ist so resigniert und ausgebrannt, dass er findet, du hast das irgendwie „verdient“. In beiden Fällen: spring über deinen Schatten und finde heraus, welches seiner Bedürfnisse leidet.

Wie du als Chef deine Enttäuschung am besten ansprichst

Aber bitte versuche nicht, dies in einer Gesprächsrunde mit dem gesamten Team heraus zu finden.

In einer Runde traut sich entweder kaum einer, etwas Kritisches anzusprechen – oder du hast auf einmal die versammelte Mannschaft gegen dich oder gegen den betreffenden Mitarbeiter.

Kritische Teamgespräche müssen moderiert werden, wenn Emotionen involviert sind. Möglich wäre auch, dass sich Fronten bilden und auf einmal mehrere auf dich als Chefin „eindreschen“. Das wäre fatal.

Besser vorher die Stimmung im Einzelgespräch abchecken und mit Mitarbeitern, die dir näher sind, besprechen, was du selbst verbessern könntest und wie die Stimmung im Team so ist.

Ich stimme dir insofern zu: Teamgespräche sollte es geben, absolut! Allerdings sollten sie in eine organisierte Meetingstruktur eingebettet sein.

In einem isolierten Teamgespräch, das eigentlich ein Problemgespräch ist, können sich gefährliche Dynamiken entwickeln, denen du unvorbereitet und ohne Moderator nicht begegnen kannst.

Regelmäßige Meetings schaffen Vertrauen schaffen und ermöglichen Beziehung

Jedes Unternehmen, egal wie groß oder klein, sollte eine organisierte Meetingstruktur haben, die aus Einzelgesprächen (ich nenne sie 1:1s), Team- und Unternehmensmeetings besteht.

Ich halte 1:1s, also regelmäßige Einzelgespräche (wöchentlich oder 2wöchentlich) zwischen Chef und Mitarbeiter, für das wichtigste Führungsinstrument. In den 1:1s erhält der Chef Updates über Fortschritte in Projekten, die aktuelle Arbeitsauslastung, Befindlichkeit des Mitarbeiters und wo er Unterstützung benötigt. Der Chef kommuniziert Prioritäten, räumt Hindernisse aus dem Weg und isst ständig up to date.

In diesem Zweiergespräch, wenn die Atmosphäre zwischen Führungskraft und Mitarbeiter stimmt, wird sich der Mitarbeiter öffnen und trauen, kritische oder persönliche Dinge anzusprechen. So kannst du herausfinden, was ihn bewogen hat, sich krankschreiben zu lassen.

Das wird im Teamgespräch kaum passieren, außer das Team ist sehr klein, die Kollegen sind untereinander sehr vertraut miteinander und haben sowieso eine sehr offene Kommunikationskultur.

In Team-Meetings, die genau so regelmäßig stattfinden sollten, werden Dinge besprochen, die das gesamte Team betreffen, also Änderungen in den Abläufen, neue Policies, Erfolge usw.

Mein Fazit

  • Erwartungen aktiv kommunizieren
  • Kritische Themen immer zuerst im Einzelgespräch hinterfragen
  • Meetingstruktur zur Verbesserung der Beziehung und der Kommunikation etablieren