9 Gründe, wieso Teamarbeit scheitert – oft liegt es an den Chefs

Teamarbeit funktioniert vielerorts mehr schlecht als recht. Hier liest du 9 verblüffende Ursachen – und ich verrate schon mal so viel: oft liegt es an den Chefs!

Ab und an zweifle ich. 

Ist es das Richtige für mich, selbständig zu sein? 

Ich arbeite allein und manchmal vermisse ich ein Team. 

Ein Team, das eine Größe hat, wo ich alle Gesichter kenne und mir die meisten Namen merken kann. 

Dann scrolle ich durch Stellenanzeigen und male mir aus, wie es wäre, ein VP People in einem 40-Leute-Startup zu sein. 

In jeder angeklickten Stellenanzeige finde ich die Formulierung, dass der Bewerber fähig und bereit sein soll, im Team zu arbeiten. 

Ein bisschen muss ich in mich hinein lachen.

Eine mich ansprechende Formulierung würde genau anders herum lauten: 

„Dein Vorgesetzter ist ein großartiger Teamplayer und unterstützt Teamarbeit“. 

In schätzungsweise 80% der Teams, in denen ich gearbeitet oder die ich beraten habe, war der Chef die eigentliche Ursache für misslungene Teamarbeit.  

Was tun die Chefs, dass Teamarbeit scheitert? 

Foto: Teamarbeit scheitert --  mehrheitlich an den Vorgesetzten
Teamarbeit scheitert — mehrheitlich an den Vorgesetzten. Foto by freepik

1. Etliche Führungskräfte sind grottenschlechte Vorbilder

Die Mehrheit der Führungskräfte, die sich bei mir in der Beratung über mangelhafte Teamfähigkeiten ihrer Mitarbeiter beschweren, müssen schmerzhaft erkennen, dass sie selbst nicht im Team arbeiten (können).  

  • Sie suchen sich Informationen allein.
  • Sie treffen Entscheidungen allein.
  • Sie basteln Präsentationen allein.
  • Sie stellen Teamergebnisse allein vor. 

Die Erklärungen, die sie dafür anführen: 

  • Das versteht keiner außer mir.
  • Bevor ich das erklärt habe, bin ich schon fertig, wenn ich es alleine mache.
  • Die Mitarbeiter denken nicht unternehmerisch, die können mir hier nicht helfen.
  • Ich trage das Risiko, das muss ich alleine entscheiden. 

Dazu sage ich: Ausreden! 

  • Teamleiter haben andere Teamleiter.
  • CEOs haben CFOs und COOs und CXYs. 
  • Gründer haben Mitgründer, Mentoren, Berater, Investoren. 

Und: 

Jeder Chef hat SEIN TEAM – sonst wär er ja kein Chef! 

Das beduetet es existiert mindestens ein ihm zugehöriger Mensch, der gefragt und einbezogen werden kann.  

Foto: Teamarbeit scheitert, weil zahlreiche Führungskräfte Einzelkämpfer sind.
Teamarbeit scheitert, weil zahlreiche Führungskräfte Einzelkämpfer sind. Foto by freepik

2. Zahlreiche Führungskräfte verstehen den Sinn von Teamarbeit erst gar nicht

Um zu verhindern, dass Teamarbeit scheitert, müssen Führungskräfte vom Sinn guter Teamarbeit überzeugt sein.  

VOM. SINN. ÜBERZEUGT.

Wenn ich meinen Coachees die Frage stelle, was eigentlich Sinn und Zweck von Teamarbeit ist, bekomme ich Antworten wie 

  • Die Mitarbeiter sollen eben zusammen arbeiten, sich absprechen, irgendwie.
  • Möglichst gut miteinander auskommen sollen sie und ihre Aufgaben erledigen.
  • Je weniger sie den Chef dabei belangen, umso besser.
  • Und überhaupt, Hauptsache, es gibt keinen Streit. Und wenn doch, sollen sie das unter sich regeln. 

Leute, „Gut miteinander auskommen, die Arbeit erledigen und den Chef in Ruhe lassen“ ist NICHT der Sinn von Teamarbeit. 

Der tatsächliche Sinn von Teamarbeit ist: 

Die Stärken der einzelnen Teammitglieder zusammen in einen Topf geworfen ergeben eine bessere Suppe, als wenn einer alleine sie gekocht hätte.  

3. Führungskräfte lassen das Team vor sich hin wurschteln

Damit im Topf eine qualitativ hochwertige Mahlzeit kocht bzw. am Ende ein hochwertiges Ergebnis herauskommt, muss das Team surren wie eine gut geölte Nähmaschine. 

Dazu braucht es regelmäßige Wartung und ab und an eine größere Durchsicht.  

Auf jeden Fall aber wird eine Führungskraft benötigt, die Wert darauf legt, dass Wartung und Durchsicht stattfinden.

Und dafür Raum und Zeit einplant. 

Teambuilding wird das genannt. 

Schon mal gehört, oder? 

Äh, ja, antworten dann die meisten, sind das nicht so lustige Übungen, bei denen man immer ein bisschen Angst davor hat, sich zu blamieren? 

Nicht ganz – wenn Teambuilding RICHTIG GUT durchgeführt wird, steht die Entwicklung des Gefühls der Zusammengehörigkeit im Vordergrund. 

Das Team lernt die Stärken und Schwächen des anderen kennen. 

Im Optimalfall entsteht Vertrauen sowie die Bereitschaft, gemeinsam mit diesen Menschen im Team zusammen zu arbeiten.

Rituale wie gemeinsames Geburtstagskuchen-Essen helfen beim Teambuilding.
Rituale wie gemeinsames Geburtstagskuchen-Essen helfen beim Teambuilding. Foto by freepik

Bild Kuchen – Rituale tragen zum Teambuilding bei 

4. Teamarbeit kostet unerwartet viel Zeit

Ein Vorgesetzter, Gründer oder Teamleiter, der noch nie ein größeres Team geführt hat, rechnet nicht damit, dass so viel Ressource für

  • Abstimmung
  • Informationsweitergabe
  • Updates
  • Beziehungsklärung
  • Kommunikation
  • Konfliktlösung 

drauf geht. 

Das merken vor allem kleine Teams, die rasant wachsen. 

Die erhoffte schnelle Verdopplung der Produktivität bleibt aus, da die Kommunikation auf einmal unerwartet viel Raum einnimmt. 

Anfangs wird häufig kein Wert darauf gelegt, einem Mitarbeiter die notwendige Aufgabe zu übertragen, die Kommunikation und die Abläufe zu organisieren. 

Wie du die Produktivität in wachsenden Teams erhöhst, kannst du im Artikel 4 Warnzeichen, dass dein Team mehr Führung braucht nachlesen.

Ja, Teamarbeit kostet Zeit und es kann gefühlt ewig dauern, bis erste Ergebnisse sichtbar werden. 

Manche Chefs fangen dann an, Stress zu verbreiten und Druck auf neue Mitarbeiter aufzubauen, weil sie die Erwartungen nicht erfüllen.  

5. Die Führungskraft hat das Team nicht mit Bedacht arrangiert

So wie bei der größeren Durchsicht Teile der Maschine ausgebaut und durch Ersatzteile ersetzt werden, so müssen auch manchmal Mitarbeiter ausgetauscht werden.

Nicht jeder Mitarbeiter passt in jedes Team.

Führungskräfte müssen genau wissen, wer im Team welche Funktion erfüllt, welche Verantwortlichkeiten hat, welche Talente und blinde Flecken.

Nur wenige Führungskräfte suchen bewusst nach einer Ergänzung für ihre Team, dem fehlenden Puzzleteil, das das Endergebnis perfekt macht.  

Neben den fachlichen Voraussetzungen muss auch die Persönlichkeit passen – außer, die Führungskraft hat viel Lust, Energie und Zeit, die sie in Einzelcoaching und Teambuilding investiert.

Ein homogenes Team, das schnell einen Konsens findet und kaum streitet, kann einen polarisierenden Typen vertragen.

Befinden sich hingegen schon zwei Menschen im Team, die für Unruhe sorgen, setze ich diesmal lieber auf einen angepassteren Mitarbeiter. 

Oder einen, der gut moderieren kann. 

Einem Spezialisten setzt man im Regelfall keinen zweiten Spezialisten vor die Nase. 

Wer weiß, nach welchen Persönlichkeitseigenschaften er sucht, kann schon im Jobinterview passende Fragen parat haben.

(Und weil es ja um eine sinnvolle Ergänzung für’s Team geht, sollte das Team auf jeden Fall ein Mitspracherecht haben.)   



Fairerweise muss ich gestehen:

Nicht immer ist die Führungskraft Schuld, wenn Teamarbeit scheitert. 

Auch die Mitarbeiter tragen dazu bei, und nicht immer kann der Chef etwas tun, um die Lage zu verbessern.   

6. Die Mitarbeiter haben keinen Bock auf Teamarbeit

Teamarbeit funktioniert natürlich nur, wenn die Leute auch Lust drauf haben, miteinander zu arbeiten. 

Das schließt ein: 

  • Wissen teilen
  • Informationen weitergeben
  • Erklären
  • Ausdiskutieren
  • Eigene Fehler zugeben
  • Die Argumente von Kollegen ernst nehmen
  • Die bestmögliche Lösung für das Unternehmen finden zu wollen (und nicht für sich selbst)

Wissen und Informationen an Kollegen weitergeben bedeutet auch, ein Stückchen von seiner Expertenmacht aufzugeben.

Das fällt bei weitem nicht allen Kollegen leicht.

Einzelne Menschen hassen es regelrecht, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht.

Deshalb blockieren sie Entscheidungen oder behalten Informationen bei sich.

Teamarbeit scheitert, weil manche Mitarbeiter sind nicht für Teamarbeit geeignet.
Manche Menschen sind einfach nicht für Teamarbeit gemacht. Foto by kues1 – de.freepik.com

Auch Mitarbeiter, die ihren Selbstwert daraus ziehen, dass ihre Einzelleistung deutlich zu erkennen ist und sie für ihren formidablen Einsatz vom Chef gelobt werden, arbeiten insgeheim nicht gern im Team.

(Und hier tragen diejenigen Chefs, die diese Dynamik nicht erkennen und Einzelleistungen mehr Aufmerksamkeit schenken als Teamleistungen, wieder dazu bei, dass Teamarbeit scheitert).

7. Im Team herrscht eine lausige Arbeitsatmosphäre

Können die folgenden drei Bedürfnisse vom Team und vom Vorgesetzten nicht erfüllt werden, ist es kein Wunder, wieso Teamarbeit scheitert:

1. Ich bin willkommen:

  • Meine Anwesenheit wird von meinem Team und meinem Chef (Projektleiter, Teamleiter, Vorgesetzten, …) als bereichernd empfunden.
  • Ich erhalte alle Informationen und Materialien, die ich für meine Arbeit brauche. 

2. Ich werde geschätzt/gehört/gesehen:

  • Mein Beitrag wird von meinem Chef und den anderen Teammitgliedern anerkannt.
  • Meine Meinung, meine Kritik und Gedanken werden gehört.
  • Mein Team und mein Chef sehen, wieviel ich leiste. 

3. Ich werde geschützt:

  • Mein Chef schützt mich vor unfairer Behandlung (Bevorzugung einzelner Mitarbeiter, großes Lohngefälle, etc.) genauso wie vor
  • Übergriffen (Mobbing) und
  • anderen Störungen, so dass ich in Ruhe meine Arbeit machen kann. 
Foto: Miserable Stimmung im Team? So wird das nix mit Teamarbeit.
Miserable Stimmung im Team? So wird das nix mit Teamarbeit. Foto by rawpixel.com – de.freepik.com

Diese Kriterien sollten Führungskräfte gerade dann unter die Lupe nehmen, wenn neue Teamkollegen hinzukommen und sich überlegen, wie man dem Neuen das Gefühl geben kann, willkommen, geschätzt und geschützt zu sein.    

Tipp: Wie schnell neue Mitarbeiter versagen, wenn auf diese Aspekte nicht genügend Wert gelegt wird, erkläre ich im Artikel Begehst du denselben Fehler wie Tausende Chefs?

8. Nicht jede Aufgabe ist für Teamarbeit geeignet

Überrascht? 

Tatsächlich gibt es Aufgaben, die lieber einer alleine erledigen sollte.

Überraschung – manchmal ist es besser, wenn einer alleine an einer Aufgabe arbeitet.
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Geht es um ein schnelles Ergebnis, überträgt man die Aufgabe einem einzelnen oder hält das Team superklein und räumlich eng beieinander, so dass sich der Abstimmungsaufwand minimiert.  


Zuletzt noch eine grundsätzliche Überlegung, wieso Teamarbeit scheitert: 

9. Teamarbeit ist nicht in der Unternehmenskultur verankert

Teamarbeit scheitert, wenn sie nicht VORGELEBT wird. 

Plakate, Losungen oder Tassen mit „Make Teamwork Great again“ reichen nicht. 

Es müssen sichtbare Verhaltensweisen derjenigen existieren, die im Unternehmen als die Vorbilder angesehen werden. 

„Influencer“ nenne ich alle Führungskräfte, Projektleiter und Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Expertise, Stellung oder Persönlichkeit als Meinungsmacher und Rollenmodelle gelten. 

Jeder dieser „Influencer“, der nicht im Team arbeitet, untergräbt alle Aufwände, die an anderer Stelle mühsam betrieben werden, um Teamarbeit nicht scheitern zu lassen. 

Unternehmen müssen sich diese eine zentrale Frage stellen: 

Woran würden Mitarbeiter bemerken, dass Teamarbeit im Unternehmen gelebt, gefördert und geschätzt wird? 

Sichtbare Verhaltensweisen wären beispielsweise: 

  • Führungskräfte arbeiten gemeinsam an Präsentationen und wechseln sich bei der Vorstellung ab
  • Führungskräfte loben Teamleistungen mehr als Einzelleistungen
  • Es gibt Besprechungsräume, die groß genug für Teams sind
  • Es existiert ein Prozess, Mitarbeiter zu informieren, die bei Besprechungen nicht anwesend waren
  • Es finden regelmäßige informelle Events statt, um die persönliche Beziehung zu stärken
  • In regelmäßige Zusammenkünften wird das WIE der Zusammenarbeit reflektiert

Was noch? 

Tja, liebe Leser, woran würde ein Mitarbeiter denn noch bemerken, dass Teamarbeit gefördert wird? Diese Frage müsst ihr für euch beantworten, wenn ihr erfolgreiche Teamarbeit im Unternehmen anschieben wollt. Ich wünsche euch viel Erfolg! Und wenn ihr Fragen habt, schreibt mir einfach an jd@janettudda.de – eine halbe Stunde Erstgespräch ist immer kostenfrei und verpflichtet zu nix 🙂


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