Vom Freund zum Chef oder 5 Wege, dein Team zu führen, ohne ein autoritärer Spießer zu sein

Vom Freund zum Chef - Mitarbeiter führen ohne ein autoritärer Spießer zu sein

„Macht der Typ schon wieder Pause?“

Lisa rollt mit den Augen.

Auf der Terrasse vor ihrem Büro zieht der neue Community Manager Marcel genüsslich an einer Zigarette und blinzelt in die Sonne. Marcel ist nach langer Suche Lisas erster richtiger Mitarbeiter. Kein Praktikant, kein Freelancer, kein Bekannter. Marcel ist ein Angestellter mit allem Drum und Dran: 30 Stunden fix, Lohnsteuerkarte, 28 Tagen Urlaub und Bezahlung im Krankheitsfall. Und bezahlten Pausen.

?!

Moment.

 

Marcel kommt gegen 9 (naja, eher 10 nach 9). Pünktlich um 15 Uhr schließt er sein Fahrrad ab und radelt heimwärts. Als Lisa versucht, ihren Ärger mit eine Schluck Club Mate wegzuspülen, nuschelt Marcel im Vorbeigehen:

„…bin heut zum Team-Meeting nicht da… Zahnarzt.“

Und weg ist er.

Tja, was läuft hier schief?

 

INHALTSVERZEICHNIS

Wenn du diesen Artikel liest, erfährst du mehr über folgende Themen:

  1. Das verhängnisvolle Mindset fast aller junger Chefinnen und Chefs
  2. Woran du erkennst, dass deine Mitarbeiter mehr Führung wünschen
  3. Wie du das Mindset eines Chefs bekommst
  4. Mein ganz persönliches Führungsdilemma als junge Chefin
  5. Die Lösung: die 5 Säulen der Führung im Startup und jungen Unternehmen
  6. Download "Die 5 Säulen der Führung" als übersichtliches A4-Handout
  7. So nimmst du das Ruder wieder in die Hand

DAS VERHÄNGNISVOLLE MINDSET FAST ALLER JUNGER CHEFINNEN UND CHEFS


Ein Coaching mit Lisa würde wohl ungefähr so ablaufen:

„Lisa, wie siehst du dich denn selbst in der Rolle als Chefin?“ würde ich fragen. „Wie willst du sein? Wie sollen deine Mitarbeiter dich wahrnehmen?“

Und dann kämen die meist gleichen Antworten von jungen Chefinnen und Chefs:

  • ich will eine Kumpelin sein und nicht die spießige Zicke
  • ich will nicht autoritär sein
  • alle Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen und gern hier arbeiten
  • ich will eine von ihnen sein
  • das Team soll mich mögen

„Aber…?“

„…aber machen, was ich sage!“

Genau. Das ist das Dilemma, welches zu Unsicherheiten, Unstimmigkeiten und schlechter Laune führt.

 

Willst du deine Chef-Qualitäten entwickeln? Erfahre mehr über mein Online-Coaching.

 

WORAN DU ERKENNST, DASS SICH DEINE MITARBEITER MEHR FÜHRUNG WÜNSCHEN


Es sind oft Kleinigkeiten:

  • die Leute sind irgendwie unzufrieden und unleidlich
  • sie tauchen zu Meetings nicht auf
  • wenn das Telefon klingelt, geht keiner ran
  • sie erinnern sich nach Feierabend nicht daran, das Licht auszuschalten oder ihre Kaffeetasse abzuwaschen
  • sie priorisieren ihre eigenen Interessen höher als an den Erfolg der Firma
  • scheinbar können sie mit ihren Freiheiten nicht umgehen oder wissen sie nicht zu schätzen

 

WIE DU DAS MINDSET EINES CHEFS BEKOMMST


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Lisa und alle Chefs, die sich hier wiederfinden, tragen selbst die Verantwortung dafür, dass sie nicht so respektiert werden, wie sie sich das wünschen.

 

Da hilft kein Gejammer, dass die Mitarbeiter so schwierig sind und die Situation so stressig ist und für Führung einfach die Zeit fehlt.

Jeder Chef muss die Chefrolle für sich akzeptieren und entsprechend handeln.

Da hilft kein Mimimi: jeder Chef ist selbst dafür verantwortlich, wie er von seinem Team wahrgenommen wird.

Aber ich kann dir versichern:

Es ist wirklich möglich, Mitarbeiter zu führen

  • OHNE als spießiger Chef wahrgenommen zu werden
  • OHNE die gute Beziehung zu den Mitarbeitern zu gefährden
  • OHNE das Teamklima negativ zu beeinflussen!

Und dies kann ich mit 1000%iger Überzeugung sagen, weil ich es selbst vielfach erlebt habe und bei den Chefs, die in meine Beratung kommen, erlebe.

„Aber Janett“, kommt in Coachings häufig der Einwand, „Sind viele Freiheiten, wenig Struktur und keine Hierarchien nicht die Basis für glückliche und motivierte Mitarbeiter?“

„Nein“, muss ich dann leider antworten. „Das ist die größte Quelle für Unzufriedenheit, Unruhe, Lustlosigkeit und schleppende Zielerreichung. Auch und gerade im jungen, kleinen Startup.

Ob du es willst oder nicht: du musst die Verantwortung für die Chef-Rolle übernehmen, wenn dein Unternehmen zum Erfolg führen und deine Mitarbeiter halten willst.

MEIN EIGENES FÜHRUNGS-DILEMMA ALS JUNGE CHEFIN


Teamführung für Gründer Seminar

Es ist nun nicht so, als wäre mir selbst zu Beginn meiner Karriere sofort glasklar gewesen, wie man Mitarbeiter souverän führt. Auch ich war unsicher, wollte beliebt sein und dazu gehören.

Mein erstes eigenes Team bestand aus 9 Kollegen, die zum Teil meine Freunde waren und zu deren Team ich selbst gehört hatte, bevor ich Teamleiterin wurde.

Um ehrlich zu sein, ich hatte richtig Angst: um die Freundschaften, um das gegenseitige Vertrauen und meine Stellung in der Abteilung.

Und, zugegeben, auch ein bisschen vor meinem Chef.

Er erwartete, dass ich die Menschen, mit denen ich vorher monatelang gemeinsam gearbeitet hatte, nun effektiver machte. Ich sollte sie also dazu bringen, in kürzerer Zeit mehr zu leisten. Ich kannte das Team und die Arbeit genau und hatte daher eine Idee, wie ich das schaffen konnte. Aber es war mir auch klar, was es bedeuten würde: jeder einzelne würde sich aus seiner Komfortzone heraus bewegen und mehr leisten müssen. Wie sollte ich das meinem neuen Team begreiflich machen, ohne allzu sehr die Chefin heraushängen zu lassen oder meine Werte verraten zu müssen?

Ich hatte großes Glück: mein damaliger Chef war das beste Vorbild, das man sich wünschen kann. Wir freuten uns, wenn er nach Feierabend mit uns trinken ging und luden ihn zu unseren Privatpartys ein. Und dennoch arbeiteten alle hart. Niemand riskierte, einen Anpfiff von ihm zu bekommen. Wir hatten großen Respekt und gleichzeitig betrachteten wir ihn als einen von uns.

Wie hatte er es geschafft, jeden einzelnen zu Höchstleistungen anzuspornen und gleichzeitig geschätzt und respektiert zu werden?

Er tat rein intuitiv verschiedene Dinge richtig, die ich heute als die 5 Säulen der Führung bezeichne und die mein Leuchtturm sind, der mir die Richtung weist.

MEINE RETTUNG: DIE 5 SÄULEN DER FÜHRUNG


Säule #1: Erwartungssteuerung

Er führte mit jedem einzelnen Mitarbeiter kurz nach dessen Einstellung ein Erwartungsgespräch. Dabei bekam jeder von uns Gelegenheit zu erklären, was ihm in der Zusammenarbeit wichtig ist. Auch unser Chef kommunizierte seine Erwartungen und Werte. So war von Anfang an klar, wie der Hase läuft.

 

Säule #2: Ziele setzen

Jedem Mitarbeiter waren die Unternehmens- und Abteilungsziele bekannt. Im Kundenservice waren dies beispielsweise die sogenannten Service Level. Eines der Service Level besagte, dass jede E-Mail innerhalb von 24 Stunden beantwortet sein musste. So wusste jeder, worauf der Fokus lag und konnte seine Arbeit entsprechend priorisieren.

 

Säule #3: Verantwortlichkeiten klären

Jeder Mitarbeiter erhielt eine genaue Beschreibung seiner Tätigkeit, in der Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse transparent gemacht wurden. Es gab kein „ich dachte, das erledigt xy“ und „ich habe mich nicht getraut, das allein zu machen“. Jedem war bewusst, was er zu tun hatte, was er entscheiden durfte und wobei er den Chef hinzuziehen musste. Bei neuen Aufgaben wurde im Team diskutiert, wer diese übernehmen konnte und die neue Aufgabe in der jeweiligen Rollenbeschreibung vermerkt.

Säule #4: Beziehung aufbauen

Was ist dein Hauptjob als Chef? Den Mitarbeitern ihre Unsicherheiten nehmen: was soll ich tun, wie soll ich es tun, was wird erwartet, wie zufrieden ist man mit mir, wann muss ich Rücksprache nehmen, wer entscheidet, usw.

Eine Beziehung (und damit meine ich keine Freundschaft), die durch regelmäßigen Kontakt immer wieder neu geklärt wird, reduziert Unsicherheit.

Jeder Mitarbeiter hatte ein wöchentliches Vieraugengespräch (wir nannten es 1:1) mit unserem Chef, in dem er hörte, wie es so lief, welche Probleme man hatte und wobei man Hilfe benötigte. Außerdem fragte er den Status von Projekten ab und erkundigte sich auch immer nach der persönlichen Befindlichkeit.

Durch den regelmäßigen Kontakt, bei dem auch immer Zeit für 5 Minuten Privatgespräch war, entstand eine tragfähige Beziehung, die auch Kritik aushielt.

 

Mein Chef hatte erkannt, dass 1:1-Meetings das Führungsinstrument Nummer 1 sind.

1:1 Meetings sind dein wichtigstes Führungsinstrument

Er war zu jedem Zeitpunkt up to date über Projektfortschritt und Zielerreichungsgrad. Wenn etwas in die falsche Richtung lief, konnte er sofort nachbessern. Wir Mitarbeiter wussten, diese 20, 30 oder 50 Minuten waren nur für uns reserviert und nahmen daher wir alle Fragen und Unklarheiten, die über die Woche aufgetaucht waren, mit in dieses Meeting (wir wollten ja vorbereitet erschienen). Und wir fühlten uns sehr geschätzt und furchtbar wichtig, weil sich unser vielbeschäftigter Abteilungsdirektor so viel Zeit für jeden einzelnen nahm.

Säule #5: Entwickeln und Fördern

Die meisten Mitarbeiter wollen nicht nur Geld verdienen, sondern ihre Arbeit als etwas Sinnhaftes erleben. Manche möchten mit der Zeit mehr Verantwortung übernehmen. Eins haben alle gemeinsam:

Jeder Mitarbeiter hat das Bedürfnis nach Wertschätzung seiner Arbeit und dass du als Chef überhaupt wahrnimmst, was er leistet.Mitarbeiterentwicklung findet zum Beispiel durch das Geben von Feedback statt. Durch den wöchentlichen, persönlichen Kontakt entstand eine gute Arbeitsbeziehung, weil wir auch immer ein paar Minuten privat schnackten. Diese persönliche Beziehung machte es für ihn leichter, in den 1:1s Dinge anzusprechen, wo er sich Verbesserung wünschte. Regelmäßig holte er zudem ein 360°-Feedback ein. Dies gab uns die Möglichkeit zu wachsen und ihm einen Eindruck, wer von uns für anspruchsvollere Aufgaben oder höhere Positionen geeignet war.

 

DOWNLOAD "DIE 5 SÄULEN DER FÜHRUNG IM STARTUP"


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Download Handout Übersicht 5 Säulen der Führung im Startup

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SO WIRST DU ZUM STEUERMANN


Auf diesen Säulen baute auch ich meine Teamführung auf.

Ich nahm diese Führungsinstrumente mit in mein neues Team und schaffte so von Anfang an eine vertrauensvolle Beziehung zu meinen Mitarbeitern. Mit glasklaren Zielen und transparenten gegenseitigen Erwartungen. Gemeinsam schafften wir es, die Effektivität zu verbessern. Ich konnte mein Team von 9 auf 5 Leute reduzieren. Die 4 „übrigen“ Mitarbeiter wurden gern von anderen Teams gern übernommen, weil deren Chefs wussten, dass unsere Abteilung qualifizierte Leute hervorbrachte.

„Es ist also möglich?“ wundert sich Lisa-Susann. „Es ist also möglich, meine Leute so zu führen, dass sie mich und mein Unternehmen weiterbringen, und gleichzeitig eine gute Zeit zu haben?“

„Natürlich“, sage ich, „Aber: es ist harte Arbeit an dir selbst. Es liegt allein am Chef, die Erwartungen der Mitarbeiter zu steuern und zu klären, wer wofür verantwortlich ist. Deine Mitarbeiter erwarten von dir, dass du unzählige Rollen erfüllst, und zwar alle gleichzeitig: Leitwolf, Mutti, Löwenbändigerin, Sparringspartnerin, Entscheidungsträgerin, Verantwortliche, Expertin, Managerin, Coach und Ermöglicherin.“

„Und Lichtausmacherin!“ Lisa lacht. „Ok, Janett, erklär mir das mit dem Erwartungsgespräch, der Rollenbeschreibung und den 1:1s. Wie oft setze ich mich mit meinen Leuten zusammen? Welche Themen bespreche ich? Wer schreibt die Agenda?“

Lisa hat es verstanden. Wenn du die 5 Säulen der Führung von Anfang an beherzigst, tauchen 80% aller mir bekannten Probleme mit Mitarbeitern überhaupt nicht erst auf.

Regelmäßige 1:1s mit Marcel und der damit verbundene persönliche Kontakt würden die Basis dafür schaffen, dass Lisa sich traut, sein Pausenverhalten anzusprechen. Gleichzeitig würden sie dazu beitragen, dass Marcel Kritik an seinem Pausenverhalten überhaupt annehmen kann, ohne sofort in den – als Reaktion auf Kritik menschlichen – Angriffs-, Abwehr- oder Fluchtmodus zu geraten.

Du allein bist verantwortlich dafür, wieviel Respekt und Wertschätzung deine Mitarbeiter dir entgegen bringen. Bevor du diese Verantwortung wirklich wahrnehmen kannst, musst du erst akzeptieren, dass nur du allein sie trägst.

 


Für alle, die mehr zum Thema „Vom Freund zum Chef – Führung für Gründer und Chefs mit ersten Mitarbeitern“ erfahren möchten, biete ich ein 4stündiges Seminar in Leipzig an. Nächster Termin: Mittwoch, 20.6.2018, 10:00 – 15:00 Uhr

Hier findet ihr Details.

 


So, liebe Leser, welche Erfahrungen habt ihr mit euren ersten Praktikanten, Freelancern, Werkstudenten oder Angestellten gemacht? Verratet es in den Kommentaren!

 

Bis bald!

 

 

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Weiterlesen? Hier entlang 🙂

Begehst du denselben Fehler wie Tausende Chefs?

Die 4 geheimen Buchstaben gegen unklare Verantwortlichkeiten

5 Comments

  • Ricardo

    Reply Reply 13. November 2017

    Hi und hello aus Griechenland… Schöner Post, hilft mir gerade vollstens. Ich überleg, ob ich dich mal anrufe… Bietest du auch Coachings auf Englisch an? Bis dann, Rico

    • Janett

      Reply Reply 13. November 2017

      Hi Rico! Freut mich, dass ich dir helfen konnte! Ruf mich gern an – und englisch spreche ich auch. Bis bald 🙂

  • Maria

    Reply Reply 10. November 2017

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich baue gerade mein Unternhmen auf und habe einen Mitarbeiter eingestellt, an dem ich deine Tipps „ausprobieren“ werde 🙂

    Eine Frage hätte ich noch: ich möchte meiner besten Freundin einen Auftrag (bezahlt natürlich) erteilen. Wie mach ich das, ohne die Freundschaft mit reinzuziehen?

    Herzlichst, Maria

    • Janett

      Reply Reply 10. November 2017

      Hi Maria!
      Oh oh, mit Freunden arbeiten: ich halte das meist für schwierig. Wenn du die Arbeitsweise deiner Freundin schon kennst und einschätzen kannst, dass das zwischen euch passt – dann ok, go for it!

      Eine Voraussetzung ist auf jeden Fall, dass ihr ohne Befindlichkeiten über alles reden könnt. Bedenke, wie leicht oder schwer es dir fallen würde, sie auf Fehler oder Mängel anzusprechen. Und: würde sie im Zweifel akzeptieren, dass du die Chefin bist und die Ansagen machst und könnte sie dieses vorübergehende Machtgefälle von eurer Freundschaft trennen?

      Ich habe ein Handout zum Thema „Mit Freunden gründen und Freunde beauftragen“. Mail mir an jd@janettdudda.de, dann schick ich es dir zu.

      Viel Freude beim „Ausprobieren“ 🙂
      Janett

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