Mit Kollegen befreundet sein: die 8 besten Tipps für Vorgesetzte

Mit Kollegen befreundet sein und gleichzeitig als Chef respektiert werden - das geht!

Bist du unsicher, ob du weiter mit einem Kollegen befreundet sein kannst, wenn du sein Vorgesetzter wirst? 

Befürchtest du, nicht respektiert oder sogar ausgenutzt zu werden, wenn du mit Kollegen befreundet bist?

Mit Kollegen befreundet sein und gleichzeitig als Chef respektiert werden - das geht!
Mit Kollegen befreundet sein und gleichzeitig als Chef respektiert werden – das geht!
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Ich bin überzeugt: die Freundschaft zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern kann sehr gut funktionieren.

Meine besten Tipps, wie auch du eine Freundschaft zwischen Vorgesetzten und Kollegen meisterst, findest du in diesem Artikel.

Als ich selbst meinen ersten Teamleiterposten bekam, wurde ich aus meinem Team heraus befördert. 

Meine 8 Kollegen sollten auf einmal meine „Untergebenen“ sein – und mit zwei von ihnen war ich so richtig gut befreundet. 

Wir gingen abends gemeinsam weg, strolchten in verlassenen Fabrikgebäuden herum, um zu fotografieren, suchten Geocaches. Was man halt so unternimmt mit Mitte/Ende 20 🙂 

Nun sollte ich deren Chefin werden. 

Es handelte sich dabei um zwei Jungs, die mich respektierten und meine Beförderung nicht in Frage stellten – zum Glück!


Kaum etwas ist für eine frisch gebackene Führungskraft schlimmer als ein Kollege im Team, der anfängt zu kichern, wenn eine Ansage gemacht wird, weil er seinen befreundeten Vorgesetzten nicht so kennt oder findet, dass der sich gerade aufspielt.

Was ist die Voraussetzung für das Gelingen einer Freundschaft zwischen Vorgesetztem und Kollegen?

Die Freundschaften zwischen Vorgesetzten und Kollegen, die ich beobachtet habe, funktionierten sehr gut.

Ich bin überzeugt, es lag daran, dass einfach klar war, dass das Chef-Sein bestimmte Verhaltensweisen erfordert und diese nichts mit der Freundschaft zu tun haben:

  • Als Vorgesetzter muss man manchmal Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen. 
  • Man hat vertrauliche Informationen, die man nicht teilen darf, obwohl man sie am liebsten sofort damit herausplatzen würde.
  • Man muss Dinge durchsetzen, hinter denen man selbst nicht unbedingt 100%ig steht.

Das und noch einiges mehr beinhaltet die Rolle einer Führungskraft.

Mit Antritt ihrer Position übernimmt sie die Verantwortung für diese Rolle.

Es bietet sich an, dass der Vorgesetzte diese neue Rolle mit den Kollegen, mit denen sie befreundet sind, in einem Vieraugengespräch thematisiert. Auf dieses Gespräch gehe ich weiter unten in den Tipps detailliert ein.

Welche Bedenken haben Vorgesetzte bezüglich einer Freundschaft mit Kollegen?

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Die Befürchtungen von Führungskräften, wenn sie sich zu eng mit Kollegen befreunden:
„Ich werde ausgenutzt.“ | „Ich werde nicht respektiert.“ | „Mein Team tanzt mir auf der Nase herum.“


Häufig befürchteten die Führungskräfte, mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet habe, dass sie ausgenutzt werden, wenn sie mit Kollegen zu dicke befreundet sind.

Was sie eigentlich meinten: sie können schlecht Nein sagen, sie trauen sich nicht, etwas zu fordern, da sie so etwas wie „fordern“ oder „sich durchsetzen“ in einer Freundschaft nie tun würden.

Oder die Vorgesetzten haben Angst, von ihren Freunden im Team nicht respektiert zu werden.

Deshalb bleiben sie manchmal beim „Sie“ oder halten sich aus Teamevents bewusst heraus, um ja keine Sympathie oder gar Freundschaft zu Kollegen entwickeln zu lassen.

Mit dem „bewussten Heraushalten“ erzeugen Führungskräfte jedoch eine Barriere, die wiederum das Team verunsichern kann:

„Will sie nichts mit uns zu tun haben?“

„Sie hält sich wohl für etwas Besseres.“

Gedanken der Mitarbeiter, wenn Führungskräfte nicht an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen

So macht sich die neue Führungskraft selbst das Leben schwer.

Es ist möglich, von allen Kollegen respektiert und trotzdem gemocht zu werden, wenn man seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe gegenüber tritt und sie so behandelt, wie man selbst gern von einem Vorgesetzten behandelt werden möchte.

Wie ich das anti-autoritäre Führen in meinen Teams geschafft habe, hab ich im Artikel Führen ohne ein autoritärer Spießer zu sein beschrieben.

Weitere Tipps, die aus meiner Erfahrung hilfreich sind, sind diese:

Die 8 besten Tipps für Vorgesetzte, die mit Kollegen befreundet sind

1. Klären, was man als Vorgesetzter von den befreundeten Kollegen erwartet

In einem Vieraugengespräch führt die Führungskraft bei Antritt ihrer Funktion mit jedem Mitarbeiter ein Gespräch, das so genannte Erwartungsgespräch.

Jedes Teammitglied sollte genau wissen, was von ihm erwartet wird.
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Meine Agenda für dieses Gespräch bestand aus 4 Punkten: 

  1. Gegenseitige Erwartungen
  2. Zuständigkeiten des Mitarbeiters
  3. Aktuelle Hindernisse und Schwierigkeiten
  4. Zufriedenheit des Mitarbeiters und Stimmung im Team

Spreche ich mit befreundeten Kollegen, thematisiere ich im Erwartungsteil des Gesprächs unsere Freundschaft und sage offen, was ich von ihm als Freund und als Kollegen brauche:

„Ich bin gespannt auf dein Feedback, aber bitte nicht vor dem ganzen Team.“

„Bitte hab Verständnis, dass ich nun nicht mehr jede Mittagspause mit dir verbringen kann“.

Wünsche des Vorgesetzten an befreundete Teammitglieder

2. Vorgesetzte sollten an Kollegen, mit denen sie befreundet sind, dieselben Anforderungen stellen

Es versteht sich von selbst, dass der Vorgesetzte von einem Freund genauso viel erwartet wie von allen anderen Kollegen im Team, oder?

Wenn der befreundete Kollege fragt, ob er kurzfristig morgen einen Tag Urlaub nehmen kann, muss der Vorgesetzte die Freundschaft bei seiner Entscheidung ausblenden und sich fragen:

  • Erlaubt es die Situation gerade, Urlaub außer der Reihe zu genehmigen? 
  • Würde er jedem anderen im Team unter diesen Umständen den Urlaub auch gewähren?

Hier kann der Vorgesetzte schnell in einen Gewissenskonflikt seinem befreundeten Mitarbeiter gegenüber geraten, zum Beispiel, wenn er die familiären Hintergründe der überraschenden Urlaubsanfrage kennt.

3. Vorgesetzte müssen sich jederzeit ihrer Verantwortung bewusst sein

Ich kenne eine Teamleiterin, die sich morgens nach ihrer Ankunft im Büro schnell einen Kaffee schnappte.

Für eine halbe Stunde verzog sie sich mit einer befreundeten Kollegin aus ihrem Team in einen gläsernen Meetingraum in der Eingangshalle.

Alle Ankommenden konnten sie wild gestikulierend oder verschwörerisch lachend sitzen sehen und wussten sofort, dass es hier nicht um Arbeitsthemen ging. 

Für das Team dieser beiden war das natürlich sehr demotivierend: ganz offensichtlich wurde hier Arbeitszeit für private Themen genutzt – und das von einer Führungskraft. Keine gute Vorbildwirkung.

Und man konnte sich nach Rückkehr der beiden ins Büro nie sicher sein, ob sie nicht gerade noch über Kollegen gelästert hatten.

Tratschen, flüstern und lästern erzeugt Unsicherheit bei den Kollegen, die weniger eng mit Vorgesetzten sind.
Tratschen, flüstern und lästern erzeugt Unsicherheit bei den Kollegen, die weniger eng mit Vorgesetzten sind.
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Erzähle ich etwas Neues, wenn ich sage, dass die Arbeitszeit nicht genutzt wird, um private Themen lang und breit auszuwalzen?

Sicher nicht.

Die Führungskraft hat die Verantwortung dem Unternehmen gegenüber, dafür zu sorgen, dass auf Arbeit gearbeitet wird (größtenteils zumindest).

Ein bisschen Smalltalk mit dem Kollegen, mit denen man befreundet ist, dient der Verbindung und der Beziehungspflege und ist natürlich okay.

Private Treffen und Beziehungsupdates sollten in der Freizeit erfolgen und nicht am Kaffeeautomaten.

Beim Feiern mit Kollegen gilt: Know your limits!
Beim Feiern mit Kollegen gilt: Know your limits!
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Auch, wenn man abends mit Kollegen feiern geht – ihre Rolle sollten Vorgesetzte immer im Hinterkopf halten.

Die Ereignisse dürfen nicht so ausarten, dass man sich später vor dem Team schämt oder sich gar entschuldigen muss.

Wer von sich selbst weiß, dass er unter Alkoholeinfluss anhänglich wird, auf dem Tisch tanzt oder vulgäre Witze reißt, sollte nach einem Bier aufhören zu trinken.

4. Führungskräfte sollten Freunde und Kollegen gleich behandeln

Lunch, Kaffeepause, Smalltalk – eine Führungskraft muss immer darauf achten, dass sie sich nicht nur ihren Freunden, sondern allen Kollegen im Team während der Arbeitszeit immer mal wieder zuwendet.

Wieso dies wichtig ist, habe ich in meinem Handout „Chefs als Beziehungsmanager“ zusammengefasst, das du hier herunterladen kannst: KLICK

Durch ein gemeinsames Projekt wird automatisch mehr Zeit miteinander verbracht und auch in den Pausen besteht noch Redebedarf. 

Maßgeblich ist, dass der Vorgesetzte sich hier kritisch hinterfragt und bewusst wieder vermehrt den Kollegen zuwendet, denen weniger Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Foto: Vorgesetzte sollten mit allen Teammitgliedern Zeit verbringen, nicht nur mit ihren Freunden.
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Was sagt die Uhr? Die Führungskraft muss aufpassen, dass sie ihren Freunden nicht zu viel Zeit widmet.

Die regelmäßige Selbstreflexion, mit welchen Teammitgliedern wieviel Zeit verbracht wurde, ist gerade dann ultrawichtig, wenn eine Freundschaft zu einem Teamkollegen besteht.

5. Den befreundeten Kollegen nicht zum Außenseiter machen

Für den Freund des Chefs kann es schwierig sein, den Platz im Team zu finden.

Wenn die Kollegen um die Freundschaft wissen, hören sie vielleicht auf, über den Chef zu sprechen, wenn der Freund den Raum betritt.

Oder die Kollegen haben das Gefühl, dass der Freund des Chefs von diesem bevorzugt wird, die interessantesten Aufgaben erhält, am zeitigsten gehen kann, öfter gelobt wird…

Der Vorgesetzte wiederum darf nicht alles, was ihn bewegt, mit dem Kollegen, mit dem er befreudnet ist, teilen, da es um vertrauliche Informationen geht oder es unangebracht ist, sich über nervende Kollegen aufzuregen.

Dies kann dazu führen, dass der Kollege sich nirgends richtig zugehörig fühlt.

Mit diesem Thema muss der Vorgesetzte achtsam umgehen und sich schonungslos der Frage stellen, was an seinem Verhalten dazu führt, dass der Mitarbeiter zum Außenseiter wird.

Manchmal sind die Umstände so ungünstig, dass es für den Kollegen besser ist, in einem anderen Team weiter zu arbeiten.

Manchmal ist es leider besser, wenn der Freund des Vorgesetzten das Team verlässt.
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Manchmal ist es leider besser, wenn der Freund des Vorgesetzten das Team verlässt.

6. Vorgesetzte brauchen besonders gute Argumente, wenn sie befreundete Kollegen befördern wollen

Der Kollege kann noch so gut sein – der Chef braucht die perfekten Argumente, um die Beförderung eines Freundes zu rechtfertigen, damit es nicht heißt:

„Der hat die Stelle doch nur bekommen, weil er mit dem Chef befreundet ist!“

Die Begründung muss hieb- und stichfest sein, um dem Mitarbeiter in seiner neuen Funktion nicht das Leben schwer zu machen, weil er nicht respektiert wird.

Ein Gespräch zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten, in dem erörtert wird, wie die Kollegen die Beförderung wahrnehmen, hilft genau so wie eine gut vorbereitete Kommunikation.

So werden dem beförderten Mitarbeiter Argumente an die Hand gegeben, falls kritische Fragen auftauchen.

Leider erlebe ich häufiger, dass es für Freunde von Vorgesetzten ungleich schwerer ist, befördert zu werden – außer, Vetternwirtschaft wird im Unternehmen offen gelebt.

Meist wollen die Vorgesetzten aber den Sticheleien und Kritikern aus dem Weg gehen und scheuen sich vor der Beförderung des Freundes.


7. Die befreundeten Kollegen sollten fair entlohnt werden

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Unfaire Behandlung verärgert das Team. Zurecht.

Natürlich müssen beim Wunsch nach mehr Geld – genau wie nach anderen Benefits wie Urlaub, Homeoffice, Sabbatical – dieselben Kriterien angelegt werden wie bei den anderen Mitarbeiten. Das versteht sich von selbst.

Auf den umgekehrten Fall möchte ich aber noch hinweisen.

Manchmal wird von den Chefs erwartet, dass ihre befreundeten freien Mitarbeiter, denen sie einen Auftrag erteilen möchten, einen Freundschaftspreis aufrufen.

Man kenne sich schließlich und das Budget wäre knapp…

Dies zählt für mich nicht zum Fair Play. Jeder Mitarbeiter und Auftragnehmer erhält einen seinen Qualifikationen angemessenen Lohn.

Egal, ob befreundet oder nicht.


8. Der Vorgesetzte sollte dieselben Regeln hinsichtlich dienstlicher Erreichbarkeit anlegen

Auch wenn der Vorgesetzte mit seinem befreundeten Mitarbeiter in der Freizeit ständig SMS hin- und herschickt – Freizeit bleibt Freizeit.

In den Chats und Telefonaten außerhalb der Arbeitszeit sollte es nur um private Themen gehen.

Nur, weil man einmal sowieso am Quatschen ist, auch gleich noch zu fragen, wie es mit dem Projekt steht oder am Wochenende auf eine schnelle Antwort zu drängen, ist unfair.

Der Freund hat das Recht auf Feierabend und Erholungszeit. Achtsame Vorgesetzte wissen das und werden ihre Kollegen nicht in ihrer Freizeit mit Arbeitsthemen belangen, auch wenn sie befreundet sind.


Foto Janett Dudda

Hi, ich bin Janett.

Ich bin Psychologin, Psychotherapeutin und Chef-Flüsterin.

13 Jahre lang war ich selbst Führungskraft, sowohl im Startup als auch im 100 Mio €-Business. Während dieser Zeit habe dabei allerhand getestet, gelernt, wieder verworfen und optimiert.

In meinen Coachings gebe ich nun genau das weiter: ich unterstütze Gründer und Unternehmer auf ihrem Weg vom Freund zum Chef und helfe ihnen, effektiv und harmonisch mit ihren Teams zu arbeiten.

Gern helfe ich auch dir! Nimm Kontakt auf: jd@janettdudda.de

Herzlichst, deine Janett

Willst du wissen, wie ich meine Teams geführt habe, ohne unsere freundschaftliche Atmosphäre zu gefährden?

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